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Geschrieben von dochiq über Jagdflieger Werner Mölders - Die Würde des Menschen reicht über den Tod hinaus
10.06.2008 22:45Hohe Wellen hat sie geschlagen, die Umbenennung des Jagdgeschwaders 74 "Mölders" der Luftwaffe vor drei Jahren. Bezug nehmend auf einen Bundestagsbeschluss von 1998, der in einem fast leeren Parlament - praktisch nur die PDS war da - zustandegekommen ist und ausgelöst durch einen tendenziösen, unsachlichen und schlecht recherchierten (wenn man da überhaupt von "Recherche" sprechen darf) "Kontraste"-Fernsehbericht von 2004, wurde dem JG 74 der Traditionsname "Mölders" aberkannt. Man hatte plötzlich "entdeckt", dass der 1941 bei einem Flugzeugabsturz umgekommene Jagdflieger Oberst Werner Mölders nicht "traditionswürdig" für die Soldaten der Bundeswehr sei. Aufhänger war seine Mitgliedschaft in der "Legion Condor": Mölders soll an Angriffen auf die Zivilbevölkerung in Spanien beteiligt gewesen sein, z.B. in Guernica, wobei man offensichtlich nicht einmal in der Lage war, nachzuschauen, ob Mölders zu dieser Zeit überhaupt in Spanien war. War er nämlich nicht. Und natürlich war Mölders überzeugter Nazi - denn welcher Soldat zwischen 33 und 45 war das schließlich nicht? Auf diesem "Niveau" bewegten sich die Anschuldigungen. Wie dem auch sei, nachdem ein Gutachten des MGFA eingeholt wurde, wurde der Namen aberkannt, auch wenn der damalige Verteidigungsminister Dr. Peter Struck dies scheinbar durchaus widerwillig tat.
Soweit ganz knapp zur Vorgeschichte. Das vorliegende Buch ist, wie nicht anders zu erwarten, eine Sammlung der Gegenargumente der Mölders-"Befürworter" unter Federführung des Autors Hermann Hagena. Mit einbezogen werden neueste Erkenntnisse, so zum Beispiel neu aufgetauchte Briefe und Tagebucheintragungen, die Aufschluss über Mölders Haltung zum NS-Regime geben. Nachdem Mölders Rolle im spanischen Bürgerkrieg auf das Genaueste untersucht wurde und die pauschal vorgebrachten Anschuldigungen widerlegt wurden, beschäftigt sich der Autor mit der sorgfältigen Konterung des MGFA-Gutachtens über Mölders. Darin wurde behauptet, dass Mölders ein regimetreuer Soldat war, der im Einklang mit dem NS-Regime handelte und dieses unterstützte. Die Hinweise hingegen, dass Mölders durchaus regimekritisch dachte und handelte, werden als "unwahrscheinlich" zurückgewiesen. Hagena hingegen versucht mit Hilfe der neuen Erkenntnisse zu beweisen, dass das hingegen sehr wahrscheinlich ist und konzentriert sich hauptsächlich auf zwei Punkte: Mölders habe der jüdischen Familie eines Schulfreundes geholfen, den Repressionen durch das Regime zu entgehen, und er habe mit dem Münsteraner Kardinal von Galen, dem "Löwen von Münster", der gegen das NS-Regime predigte, in Verbindung gestanden, diesen unterstützt und die Predigten unter seinen Soldaten verteilt. Im ersten Punkt ist die Beweislage durch die neu aufgetauchten Briefe Mölders an jenen Schulfreund relativ gut, während der zweite Punkt nicht 100%ig geklärt werden kann, auch wenn der Autor sein Bestes gibt, um überzeugend im Sinne Mölders zu argumentieren. Aber hieb- und stichfest ist es leider nicht, auch wenn es sicherlich sehr wahrscheinlich ist. Die Quellenlage, im Wesentlichen ein paar Tagebuchnotizen, reicht nicht aus, um die Sachlage ein für allemal zu klären. Trotzdem wird klar, dass die Unterstellungen, die gegen Mölders ins Feld geführt worden sind, zumindest noch einmal neu geprüft werden müssten.
Den letzten Teil des Buches nimmt eine, man möchte sagen, minutiöse Chronik der Ereignisse und das Echo in den verschiedensten Medien um die "Affäre Mölders" ein. Vor allem die Reaktionen der Print-Medien sind sehr interessant. Zunächst war natürlich alles klar: Nazi-Namen in der Bundeswehr müssen weg! Ob denn Mölders überhaupt ein Nazi war, wurde nicht weiter hinterfragt. Mit der Zeit, nach der Umbenennung, änderte sich das Bild aber langsam. Vor allem in der WELT und der FAZ war zu beobachten, dass diese damnatio memoriae nicht mehr einfach so hingenommen und der Entschluss im Lichte der neuen Erkenntnisse über Mölders in Frage gestellt wurde. Auch der neue Verteidigungsminister Dr. Jung äußerte sich vorsichtig kritisch über die Aberkennung des Namens. Auch wenn eine Wiederbenennung höchst unwahrscheinlich ist, so ist doch zu hoffen, dass die Diskussion um die Traditionspflege in der Bundeswehr in Zukunft evtl. sachlicher geführt wird, als es bei der "Affäre Mölders" der Fall war.
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Jagdflieger Werner Mölders - Die Würde des Menschen reicht über den Tod hinaus
- Von:
- Hermann Hagena
- ISBN:
- 393820866X
- Verlag:
- Helios Verlag
- Erschienen:
- 2008-02-14


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