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Schabowskis Irrtum: Das Drama des 9. November
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Beschreibung
Nach quälend langer Suche findet und verliest er schließlich den ominösen Zettel, den Genosse Krenz ihm zugesteckt hatte. “Privatreisen nach dem Ausland […] können beantragt werden. Genehmigungen werden kurzfristig erteilt.” Das Entscheidende: Der genervte Schabowski vergisst dabei prompt die neunstündige Sperrfrist zu erwähnen. Zu spät. Den Rest erledigen die DDR-Bürger selbst. Die Bilder des Abends, als auf der Brücke Grenzübergang Bornholmer Straße die Trabbis herantuckern und sich Ost– und Westberliner weinend in den Armen liegen, rühren noch heute zu Tränen. Der Staudamm war gebrochen. Ab diesem Abend war die DDR Geschichte.
Die zurückliegenden vierundzwanzig Stunden präsentiert Florian Huber als spannenden Liveticker, der von einem Brennpunkt zum nächsten jagt. Es ist der Höhepunkt einer heißen Phase, von der immer noch ungewiss ist, ob sie nicht in eine militärische Katastrophe münden könnte. Unter dem Druck der Massenflucht von Zehntausenden muss das Regime handeln. Deshalb hat im DDR-Innenministerium am 8. November die vom Volk geforderte Reisefreiheit oberste Priorität. Zwei Tage zuvor war der US-Starreporter Tom Brokaw, Großes erahnend, aus den Staaten eingeflogen und hatte vorsorglich einen Kamerakran am Brandenburger Tor errichten lassen. Weitere Beteiligte in diesem Drama, das streckenweise an einen John le Carré-Thriller erinnert, sind ein Stasi-Grenzwächter, ein Oberst der Volkspolizei, ein Ostberliner Liebespärchen und ein Weststudent. Stellvertretend für so viele bilden sie das Personal des größten Momentes der jüngeren deutschen Geschichte.
“Wer hat uns das bloß eingebrockt?” Der vielleicht komischste Satz in diesem Drama. Gesprochen von einem, der schlagartig zum Nebendarsteller degradiert worden war. Am Morgen nach dem Mauerfall stellt ihn der verkaterte Genosse Generalsekretär Egon Krenz der versammelten Führungsspitze der Partei. Einer ahnt bereits, wer gemeint ist. Der Name: Schabowski. –Ravi Unger
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