3866122063

Die Stunde, in der ich zu glauben begann

Von:
Wally Lamb

ISBN:
3866122063

Verlag:
Pendo

Erschienen:
2009-07

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Rezensionen (14)

 
Silkedb
21.01.2010 16:09

Inhalt:
Caelum ist Lehrer an der Schule, an der seine Frau Maureen als Krankenschwester arbeitet. Als Caelum die Nachricht erhält, dass seine geliebte Tante Lolly schwer erkrankt ist und vermutlich sterben wird, macht er sich auf den Weg in seine Heimatstadt.
Doch währenddessen kommt es zu einem der schlimmsten Schulmassaker in der amerikanischen Geschichte. Es ist die Columbine Highschool, an der Caelum und Maureen arbeiten und Maureen befindet sich im Gebäude, als zwei Schüler beginnen Mitschüler und Lehrer zu ermorden. Maureen überlebt, ist jedoch stark traumatisiert.
Ein Leben in Colorado scheint nicht mehr möglich und Caelum und Maureen wagen einen Neubeginn auf der ererbten Farm von Cals verstorbener Tante.
Doch es folgt ein Schicksalsschlag auf den anderen und Cal muss sich bald auch seiner eigenen Vergangenheit stellen.

Meine Meinung:
Mein erster Eindruck zu "Die Stunde, in der ich zu glauben begann" war, dass es sich hier um ein religiös motiviertes Buch rund um die Auswirkungen des Columbine Massakers handelt. Ich wurde jedoch sehr positiv überrascht von einem themenübergreifenden Roman, mit Tiefgang und Gefühl, der sich auf aktuelle Ereignisse des Weltgeschehens bezieht. Wally Lamb hat mit Caelum eine Figur geschaffen, mit der ich als Leser mitfühlen konnte.
Mir persönlich haben dabei die Kapitel, die sich Caelums eigener Vergangenheitsbewältigung widmen, am besten gefallen. Wie die Teile eines Puzzles ergaben die Details immer mehr die ganze Geschichte und so ist "Die Stunde, in der ich zu glauben begann" nicht nur Caelums Geschichte, sondern auch die der amerikanischen Frauenvollzugsanstalten und der Frauen, die diesen mit begründet haben.
Wally Lamb hat es geschafft, dass mir das Buch nie zu langatmig wurde und ich immer wieder gespannt war, wie es nun weiter geht. Bei einem über einen Kilo schweren Schmöker ist das schon eine Kunst. Doch wie schon bei "Früh am Morgen beginnt die Nacht" ist es gerade die Komplexität, und das Augenmerk auf Details, dass mich hier fasziniert hat. Wer schon eins der anderen Bücher von Wally Lamb gelesen und gemocht hat, der wird auch von diesem Buch begeistert sein!

Fazit:
Eines der besten dramatischen Bücher, das ich in der letzten Zeit gelesen habe.

User
30.03.2009 16:29

Aus der Buchbeschreibung will man schließen, dass es sich um einen Roman über die Folgen des Amoklaufs an der Columbine Highschool handelt. Das allein wäre schon eine tolle schriftstellerische Leistung gewesen. Doch dieser Roman bietet sehr viel mehr.

Der Ich-Erzähler Caelum ist Lehrer an der Columbine Highschool, seine Ehefrau Schulkrankenschwester. Caelum ist ein Mann aus dem Leben voller Kanten und Ecken. Er ist zum dritten Mal verheiratet und insgesamt eine widersprüchliche Persönlichkeit mit einem nicht eben geordneten Leben. Nach einem Seitensprung seiner Frau muss er in eine Anti-Aggressions-Therapie, weil er mit einer Rohrzange auf seinen Nebenbuhler losging. Seine Frau Mo wird von einer ziemlich auffälligen Schülerin „Mom“ genannt und erfährt aus seiner Sicht zu viel Aufmerksamkeit von dieser. In seiner alten Heimat liegt seine geliebte Tante Lolly im Sterben, die ihn nach dem Tode seiner Mutter aufgezogen hatte. Kaum ist er an ihrem Sterbebett angekommen, erfährt er von dem Amoklauf an seiner Schule. In größter Sorge um seine Frau überlässt er anderen Lollys Beerdigung.

Lange kann der Leser nicht darüber erleichtert sein, dass Mo unverletzt ist. Meine Befürchtung, dass sie schwer traumatisiert ist, bewahrheitet sich schon bald. Jeder Knall triggert sie. Kein Arzt oder Psychotherapeut kann ihr helfen. Mo und Caelum erleben einen Tiefschlag nach dem anderen.

Aus meiner Erfahrung mit traumatisierten Opfern von belastenden Ereignissen ist dieses Buch sehr gut recherchiert. Ich werde es Kollegen weiter empfehlen, die am Beginn ihrer Ausbildung in „psychischer Erster Hilfe“, „Basisnotfallnachsorge“, „Notfallseelsorge“ o.ä. stehen.

Meine Befürchtung, es könnte ein religiös belehrendes oder gar bekehrendes Buch sein, hat sich zum Glück nicht bestätigt. Der Autor versteht es, mich über mehr als 700 Seiten zu fesseln. Dabei ist es egal, ob es um die Aufarbeitung seiner Kindheit geht oder um den Amoklauf oder die Haftbedingungen in US-amerikanischen Frauengefängnissen. Ich bin beeindruckt.

User
21.03.2009 00:13

Wally Lamb ist nicht der erste Autor der sich am Thema Familiengeschichte versucht.
An sich nicht schwierig darüber zu schreiben und einen Spannungsbogen mit Gefühl zu verbinden. Wally Lamb versucht die Geschichte mit einem brisanten Thema zu verbinden, dem Amoklauf an der Columbine Highschool.

Ich hatte lange Schwierigkeiten in das Buch hinein zu kommen. Ich hatte hier eigentlich etwas anderes erwartet.
Erzählt wird die Geschichte von Coleum in der Ich-Perspektive.
Immer wieder driftet er in die Vergangenheit und versucht meiner Meinung nach seine Kindheit zu verarbeiten. Sein Vater, Alkoholiker, hat sich schon früh das Leben genommen. Seine Mutter war eher lieblos. Ein engeres Verhältnis hat er jedoch zu seiner Tante Lolly.

Probleme in seiner Ehe veranlassen das Paar zusammen nach Colorado zu ziehen. Dort sind sie beide an der Columbine Highschool beschäftigt. Was der Neubeginn ihrer Ehe sein soll wird mit dem Amoklauf an der Schule zu einer noch größeren Herausforderung.
Während Caelum sich um die Beerdigung seiner Tante Lolly kümmern muss wird seine Frau Maureen Zeuge des Amoklaufs. Sie ist völlig traumatisiert von den Ereignissen und nimmt Tabletten.
Als es ihr scheinbar wieder gut geht ziehen sie wieder zurück nach Connecticut, hauptsächlich um nicht mehr an den Amoklauf erinnert zu werden.
Wie im wahren Leben kann man aber seinen Ängsten nicht davon laufen, noch ist der Kampf nicht zu Ende. An dieser Stelle endet mein Inhaltsbericht, um die wenige Spannung die ich im Buch entdecken konnte nicht ganz zum Erlöschen zu bringen.

Wally Lamb hat es leider nicht geschafft mich tiefgründig und emotional zu erreichen. Ich habe mich weiterhin durch die vielen Seiten des Romans kämpfen müssen. Der Roman hat für mich zu viele Längen und bricht genau an den Stellen ab, die Spannung versprechen. So hätte man eigentlich den Streit mit Velvet (einer Schülerin, aber auch engen Vertrauten von Maureen) viel besser ausbauen können, hätte auf den „Abschiedsgruß“ im Wandschrank eingehen können, den Maureen Caelum während des Amoklaufes hinterließ, als immer wieder auf der Farm in seiner Kindheit zu landen. Ich habe eigentlich immer öfter Quer gelesen, was ich sonst eigentlich nie mache. Eigentlich ist man sich am Ende des Buches gar nicht sicher was einem erzählt werden sollte. Das ist wie bei einem dieser Filme die mitten im Geschehen abbrechen und man während der Abspann läuft nachdenkt, was das jetzt genau gewesen ist.

User
18.02.2009 14:21

Warum werden Menschen schikaniert, gedemütigt, ausgegrenzt?
Warum werden Schüler erschossen, während andere Leben dürfen?
Warum ist die Mutter, die das Kind großzog, nicht die richtige?
Warum fällt uns dabei der Glaube an Gott so schwer?

Dieses Buch stellt viele Fragen und stellt vieles infrage.

Falls der Leser glaubt, mit Wally Lamb´s Buch "Die Stunde, in der ich zu Glauben begann", einen unterhaltsamen entspannenden Roman gefunden zu haben, irrt er. Dieses Buch ist keine Gute Nacht Lektüre. Es rüttelt den Leser auf, macht ihn wach, verursacht Albträume.

Wally Lamb erzählt in seinem Buch die Lebensgeschichte des Lehrers Caelum Quirk, der nach einer schwierigen Kindheit und zwei gescheiterten Ehen, seine dritte Frau Maureen schätzen und lieben lernt. Aber auch das Leben mit ihr ist nicht einfach. Nach einigen Eheproblemen, die Caelum auf seine eigene Art und Weise zu lösen versucht, geschieht das Unfaßbare. Maureen wird Augenzeuge des Schulmassakers in Littleton. Versteckt in einem Wandschrank muss sie voller Ohnmacht mit ansehen, wie zwei Jugendliche 12 ihrer Mitschüler und einen Lehrer erschießen, ehe sie sich selbst richten. Durch diese Erlebnisse stark traumatisiert, schafft sie es von nun an nicht mehr, ihr Leben in den Griff zu bekommen. Caelum leidet stark unter dieser Situation und findet keinen Weg, seiner Frau zu helfen. Im Gegenteil, unaufgearbeitete Familiengeheimnisse machen ihm schwer zu schaffen und stellen den Sinn seines Lebens auf den Kopf.

Wally Lamb hat in seinem Buch "Die Stunde, in der ich zu glauben begann" authentische Geschehnisse und Personen eingebunden und es dadurch geschafft, dass sein Buch wirklichkeitsnah dem Leser gegenübertritt. Fragen nach der Würde des Menschen stehen genauso im Mittelpunkt der Geschichte wie der Umgang mit dem Glauben. In seinem Buch arbeitet der Autor auf, welchen mittelbaren und unmittelbaren Folgen grausame Geschehnisse wie das Massaker von Littleton oder der Irakkrieg auf die Menschen haben. Wie Opfer solcher Greueltaten versuchen mit ihrer Angst umzugehen und leider, oftmals daran scheitern. Ergreifend und sehr gefühlvoll erzählt Wally Lamb seine Geschichte, klagt an, setzt sich mit Vorurteilen auseinander, versucht zu helfen.

Es ist ein wunderbares Buch, das der Autor geschrieben hat, ein Buch, das den Leser bis ins Innerste bewegt und ihn nachdenklich werden lässt. Und trotzdem ist ein wenig Kritik an dieser Stelle angebracht. Obwohl Wally Lamb es verstanden hat, seine Geschichte emotional ausgereift und spannend zu erzählen, hat diese einige Längen, die nicht sein müssten. Geschehnisse, wie beispielsweise die Erlebnisse aus der Schulzeit von Caelum, wurden zu ausschweifend behandelt und sind in diesem Umfang nicht notwendig für das Verständnis des Lesers. Aber eines muss man dem Autor lassen, er hat in seinem Buch nicht nur eine ergreifende und teilweise authentische Beschreibung der damals stattgefundenen Geschehnisse präsentiert, sondern dem Leser ein Stück amerikanischer Geschichte und Lebensphilosophie nahegebracht.

User
15.02.2009 15:04

Inhalt:

Caelum & Maureen sind seit Jahren - mal mehr und mal weniger glücklich - verheiratet und arbeiten beide an der Columbine Highschool. Caelum ist dort Lehrer, während Maureen eine Teilzeitstelle als Krankenschwester hat.
An einem Tag im April ändert sich ihr Leben für immer, zwei Schüler zünden Bomben an der Schule und erschießen mehrere Schüler und einen Lehrer. Maureen hält sich die ganze Zeit über in der Schule auf, versteckt in einem Schrank, Caelum ist aus familiären Gründen unterwegs. Maureen überlebt, doch sie ist nicht mehr dieselbe. Sie hat Angst, ist wütend, macht sich Vorwürfe, ist völlig traumatisiert und wird süchtig. Das Ehepaar beschließt umzuziehen, denn gerade hat Caelum die Farm seiner Tante Lolly in Connecticut geerbt. Tatsächlich geht es Maureen nach weiteren Rückschlägen irgendwann besser und sie beginnt wieder als Krankenschwester zu arbeiten. Doch die Panik lässt sie nicht los, bei jedem Vorfall wird Maureen zittrig und beginnt schließlich sich Beruhigungsmittel zu spritzen. Eines Abends fährt sie unter Medikamenteneinfluss einen jungen Mann tot und wird zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt.
Caelum bleibt alleine zurück und bald tauchen Unterlagen seiner Vorfahren auf, er begibt sich auf deren Fährte und entdeckt beeindruckendes und erschreckendes zugleich.
Wird es Caelum gelingen sein Leben wieder lebenswert zu leben?

Meine Meinung:

Die Covergestaltung des Romanes ist auf den ersten Blick wenig aussagekräftig, doch nach dem Lesen passt sie bestens zum Inhalt. Wie der Mann auf dem Cover dreht Caelum seiner Vergangenheit den Rücken zu und wirkt desinteressiert und gleichgültig. Doch je mehr er über seine Familie erfährt, desto interessierter und faszinierter wird er.

Wer denkt, dass es nur um den Amoklauf an der Columbine High geht, liegt völlig falsch. Auch die Religion hat immer nur wieder kurze Auftritte und bestimmt das Buch keineswegs.
Das Buch enthält die Geschichte eines starken Mannes, der durch Freundschaft, Liebe, Religion - aber auch Angst, Unverständnis und Hass, etwas findet, an das er glauben kann.

Das Geschehen wird aus Sicht von Caelum in der Ich-Form geschildert.
Die Sprache ist ehrlich, offen, modern und vorantreibend, aber situationsbedingt auch mal derb, mitfühlend und emotional.
Sie zieht den Leser ins Geschehen und wirkt sehr natürlich und angepasst.

Die Protagonisten sind sympathisch und bis ins kleinste Detail ausgearbeitet. Ihre Vergangenheit ist eng mit ihren jetzigen Handlungsweisen verknüpft. Ihr Gefühlsleben ist glaubhaft und nachvollziehbar, ihr Handeln so durchaus verständlich.

Die Handlung allerdings ist leicht überladen, irgendwie wirkt es doch etwas zweifelhaft, das ein und dieselbe Person so viele negative Erlebnisse haben kann.
Allerdings enthält der Roman auch 750 Seiten in denen natürlich etwas passieren muss, um den Roman nicht langweilig oder langatmig werden zu lassen. Viele Rückblenden, Zeitungsartikel, Tagebuchauszüge & Briefe aus dem 19. Jahrhundert... sorgen immer wieder für den nötigen Schwung und für Abwechslung im Verlauf der Geschichte.
Teils ist es zwar etwas schwer die Zusammenhänge zu erkennen, aber kurz darauf wird auch alles wieder aufgeklärt und am Ende hat man ein fertiges Puzzle, in dem jedes Teil bestens passt.
Der Roman umfasst einen Zeitraum von mehreren Jahren, so dass die Entwicklung der Protagonisten genau verfolgt werden kann.

Fazit:

Ein überzeugender Roman, der sicherlich auch ohne den ein oder anderen Schicksalsschlag ausgekommen wäre.
Ein Buch, dem es weder an Spannung, noch an Gefühl fehlt und das Mut macht und zeigt, dass jeder Rückschlag nur noch mehr Kraft gibt, um das zu suchen (und zu finden), was man wirklich braucht.

Hrafnaklukka
10.02.2009 06:48

Lange Zeit mußte ich warten, denn nach „Die Musik der Wale“ und „Früh am morgen beginnt die Nacht“ ist „Die Stunde, in der ich zu glauben begann“, der nächste Roman aus der Feder eines genialen Autors. Neun Jahre hat Wally Lamb gebraucht und erneut ein Meisterwerk erschaffen.

Der erste Teil des Buches spielt 1999, Caelum Quirk und seine Frau Maureen „Mo“ arbeiten als Lehrer bzw. Krankenschwester in Littleton an der Columbine Highschool. Die beiden führen ein – mehr oder weniger- ereignisloses Leben, als Cae's Tante Lolly stirbt und damit eine Reihe von dramatischen Ereignissen beginnt, die ihn in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft führen werden. Während Caes in die Heimat fährt, um sich um die Beerdigung seiner Tante zu kümmern, laufen 2 Jugendliche in der Columbine Highschool Amok. Maureen überlebt versteckt in einem Schrank, aber danach ist für die beiden trotzdem nichts mehr, wie es mal war.

Am Ende des ersten Teils verlassen die beiden Littleton, da Mo die ständige Erinnerung an den Amoklauf nicht mehr aushält.

Es gefällt mir besonders gut, das der Autor geschickt verschiedene Ereignisse / Katastrophen aus unterschiedlichen Stationen in Cae's Leben miteinander verknüpft und doch jeder gerecht wird. Zum schmunzeln brachte mich ein kurzes Wiedersehen mit „alten Bekannten“ (Dominick und Thomas Birdsey), denn der Roman spielt teilweise in Wequonnoc, wo Cal aufgewachsen und einen großen Teil seines Lebens verbracht hat.

Der zweite Teil des Buches, betitelt mit „Gottesanbeterin“, zeigt das es doch noch schlimmer kommen kann als man denkt. Mo, stark traumatisiert durch den Amoklauf und den sexuellen Missbrauch durch ihren Vater, schafft es nicht, mit ihrem Leben fertig zu werden. Unter Tabletteneinfluss hat sie einen Unfall und muß ins Gefängnis, ironischer Weise in die Anstalt, die von Caelums Urgroßmutter gegründet wurde. Auch in diesem Teil des Buches werden vergangene Ereignisse nahtlos mit der Gegenwart verknüpft, was im wesentlichen den Charme des Buches ausmacht. Caelum wird neben Mo und ihren Problemen zum Nebendarsteller in ihrem gemeinsamen Leben degradiert, und doch hat er genauso unter den Ereignissen zu leiden wie sie.

„Wenn man sich auf die Suche nachdem macht, was man sich wünscht, begegnet man dem, was man braucht.“

Es geht in diesem Buch nicht nur um Columbine, doch trotzdem hängt alles damit zusammen. Wally Lamb befasst sich in „Die Stunde in der ich zu glauben begann“ nur wenig mit dem unmittelbaren Ereignissen, sondern vielmehr mit den direkten und indirekten Opfern und Folgen. Der Roman an sich ist zwar rein fiktiv, die Handlung vermischt sich aber mit realen Ereignissen und Personen. Selten habe ich einen Roman gelesen, in dem die einzelnen Figuren, egal ob Haupt– oder Nebendarsteller, so genau und liebevoll gezeichnet waren. Die Geschichte ist mitreißend, witzig, traurig und interessant. Eben ein wunderbares Buch!

User
01.02.2009 12:26

Caelum Quirk, in dem sich in dieser großen amerikanischen Familiengeschichte alles rankt, ist Lehrer und in dritter Ehe mit Maureen verheiratet.
Die beiden ziehen nach Colorado, um einen Neuanfang ihrer Ehe zu wagen und weil Maureen näher bei ihrem Vater sein will. Aber - dieser Neuanfang endet in einer Tragödie, die das Leben der beiden aus den Angeln hebt, völlig verändert und sie an den Rand eines Abgrundes treibt. In der Schule, in denen das Ehepaar Quirk gemeinsam arbeitet, richten zwei Schüler ein schreckliches Blutbad an und Maureen überlebt nur, weil sie sich in einem Schrank verstecken kann.

Das Ereignis belastet und erschüttert beide sehr - wirbelt ihr Leben durcheinander und sie brauchen lange, bevor es wieder aufwärts geht, um dann von der nächsten Katastrophe heimgesucht zu werden:
Maureen überfährt unter Einfluss von Tabletten (nachdem sie schon einige Zeit clean war) einen Jungen und muss für 5 Jahre ins Gefängnis.
Das sind - ganz grob umrissen - die beiden "gravierendsten" Ereignisse in diesem Buch - aber in diesem Buch passiert noch viel viel mehr!
Es wäre müßig, hier auf alle kleinen und großen negativen aber auch positiven Ereignisse näher einzugehen - das wäre viel zu viel; man muss das Buch mit viel Ruhe lesen und sich in die Situation der beiden hineinversetzen und den Gedanken der Protagonisten folgen und sich drauf einlassen.

Das Buch ist ergreifend, ausschweifend, detailgenau, fesselnd und sehr leicht lesbar geschrieben - aber: Es ist nicht nur vollgepackt mit Menschen, die Caelum sein Leben lang begleitet haben und es jetzt noch tun, sondern auch mit Ereignissen, die sich nicht nur in dem kompletten Leben von Caelum ereignet haben, sondern auch seine Vorfahren in den letzten zwei Jahrhunderten betreffen. Man erfährt die Lebensgeschichte der Nachbarn genauso wie die seines besten Freundes, man erlebt das Leben vieler Gefangener und z.B. die Ereignisse im Leben von Mark Twain. Seine Großmutter Lydia - seine Tante Lolly - sein alkoholkranker Vater - die Familie des überfahrenen Jungen - den Lebensweg der beiden Amokläufer und deren Familien - viele viele Menschen bereichern dieses Buch - aber ich muss gestehen, mir war es manchmal zuviel. Es waren einfach zu viele Schauplätze - zu viele Gedanken, die man verarbeiten musste.

Caelum muss nicht nur mit den schrecklichen aktuellen Geschehnissen fertig werden sondern auch mit einer Vergangenheit, die ihm völlig fremd war, die alleine schon einen Menschen zur Verzweiflung bringen könnte; aber das Ende der Geschichte ist - ohne zuviel zu verraten - positiv und lässt die Hoffnung aufkommen, dass das Leben trotz aller Tiefschläge lebenswert ist.

Arc-of-time
26.01.2009 19:29

Das Buch fängt mit einem Vorwort über die demenzkranke, jetzt verstorbene Mutter an, was mir schon gut gefallen hat.

Caelum und seine Frau Maureen wollen einen Neubeginn starten - ihre Ehe ist in eine Krise geraten. Aus diesem Grunde ziehen sie nach Colorado. Caelum erzählt aus seiner Vergangenheit, wie seine Frau fremdgegangen ist, wie er agressiv wurde und viel auch aus seiner Kindheit und von seinen Vorfahren.

Maureen ist dabei, wie zwei Schüler auf der Columbine Schule Amok laufen - seitdem leidet sie unter flashbacks, Angstzuständen und Schmerzen. Sie kann nicht mehr arbeiten und muss zur Psychologin . Durch die Tabletten, die sie nimmt, wird sie tablettenabhängig. Caelum versucht ihr zu helfen, kommt aber nicht so richtig an sie ran. Er muss sich gestehen, dass der Amoklauf Maureens und sein Leben völlig umgekrempelt hat.

Als es Maureen wieder ein wenig besser geht, fängt sie wieder an zu arbeiten - kommt dort aber leider mit Tabletten in Berührung. Als Maureen unter Medikamenteneinfluss einen jungen Mann überfährt, muss sie eine Haftstrafe absitzen. Caelum besucht sie, wenn auch unregelmässig. Ihr Verhältnis ist gestört.

Man erfährt sehr viel über menschliche Abgründe, die Beweggründe, warum man so handelt und wie es das Leben beeinflusst. Die Familiengeschichte der Quirks wird in Rückblicken, Briefen und Zeitungsartikeln aufgerollt - manchmal ist es zu ausschweifend. Es sind einige Schicksalsschläge, die die Familie Quirk zu verarbeiten hat - man könnte auf den Gedanken kommen, ob es nicht gar zu viele Schicksalsschläge sind.
Die Protagonisten haben Stärken und Schwächen, man kann mit ihnen mitfühlen.

Die Gestaltung des Covers hat mich angesprochen, den Buchtitel hätte ich mir anders gewünscht.
Das Buch ist stellenweise zu ausschweifend - aber insgesamt doch lesenswert.

User
25.01.2009 17:48


Caelum Quirk, in dem sich in dieser großen amerikanischen Familiengeschichte alles rankt, ist Lehrer und in dritter Ehe mit Maureen verheiratet.
Die beiden ziehen nach Colorado, um einen Neuanfang ihrer Ehe zu wagen und weil Maureen näher bei ihrem Vater sein will. Aber - dieser Neuanfang endet in einer Tragödie, die das Leben der beiden aus den Angeln hebt, völlig verändert und sie an den Rand eines Abgrundes treibt. In der Schule, in denen das Ehepaar Quirk gemeinsam arbeitet, richten zwei Schüler ein schreckliches Blutbad an und Maureen überlebt nur, weil sie sich in einem Schrank verstecken kann.

Das Ereignis belastet und erschüttert beide sehr - wirbelt ihr Leben durcheinander und sie brauchen lange, bevor es wieder aufwärts geht, um dann von der nächsten Katastrophe heimgesucht zu werden:
Maureen überfährt unter Einfluss von Tabletten (nachdem sie schon einige Zeit clean war) einen Jungen und muss für 5 Jahre ins Gefängnis.
Das sind - ganz grob umrissen - die beiden "gravierendsten" Ereignisse in diesem Buch - aber in diesem Buch passiert noch viel viel mehr!
Es wäre müßig, hier auf alle kleinen und großen negativen aber auch positiven Ereignisse näher einzugehen - das wäre viel zu viel; man muss das Buch mit viel Ruhe lesen und sich in die Situation der beiden hineinversetzen und den Gedanken der Protagonisten folgen und sich drauf einlassen.

Das Buch ist ergreifend, ausschweifend, detailgenau, fesselnd und sehr leicht lesbar geschrieben - aber: Es ist nicht nur vollgepackt mit Menschen, die Caelum sein Leben lang begleitet haben und es jetzt noch tun, sondern auch mit Ereignissen, die sich nicht nur in dem kompletten Leben von Caelum ereignet haben, sondern auch seine Vorfahren in den letzten zwei Jahrhunderten betreffen. Man erfährt die Lebensgeschichte der Nachbarn genauso wie die seines besten Freundes, man erlebt das Leben vieler Gefangener und z.B. die Ereignisse im Leben von Mark Twain. Seine Großmutter Lydia - seine Tante Lolly - sein alkoholkranker Vater - die Familie des überfahrenen Jungen - den Lebensweg der beiden Amokläufer und deren Familien - viele viele Menschen bereichern dieses Buch - aber ich muss gestehen, mir war es manchmal zuviel. Es waren einfach zu viele Schauplätze - zu viele Gedanken, die man verarbeiten musste.

Caelum muss nicht nur mit den schrecklichen aktuellen Geschehnissen fertig werden sondern auch mit einer Vergangenheit, die ihm völlig fremd war, die alleine schon einen Menschen zur Verzweiflung bringen könnte; aber das Ende der Geschichte ist - ohne zuviel zu verraten - positiv und lässt die Hoffnung aufkommen, dass das Leben trotz aller Tiefschläge lebenswert ist.

Fmbemil
21.01.2009 07:23

Nach den ersten 400 Seiten hätte ich noch geschrieben, dass dies eines der besten Bücher ist, die ich in der letzten Zeit gelesen habe.

Der erste Teil ist sehr wirklich ergreifend: Maureen und Caelum sind seit Jahren verheiratet, die Ehe ist nicht perfekt, aber sie wagen einen Neuanfang.

Allerdings werden die beiden durchSchicksalsschläge eingeschränkt. Zuerst stirbt Caelums Tante, die ihm immer zur Seite gestanden hat und in seiner Familie die Einzige gewesen ist, auf die er sich immer verlassen konnte. Sein Vater war Alkoholiker und ist sehr früh gestorben und seine "Mutter" (im weiteren Verlauf des Buches ergibt sich, dass sie nicht seine leibliche Mutter ist) war nicht in der Lage ihm die Liebe zu geben, die er braucht.

Der zweite Schicksalsschlag trifft Maureen und Caelum allerdings noch härter. An der Schule, in der beide arbeiten kommt es zu einem Amoklauf. Maureen ist mittendrin und erleidet dadurch ein schweres Trauma, das sie ihr weiteres Leben lang begleitet.

Fesselnd berichtet Wally Lamb von dem Kampf, den beide ausfechten, um wieder in ihr Leben zurück zu finden. Dem Leser wird deutlich, dass nicht nur die, die Kinder oder Angehöriger bei so einem Amoklauf verlieren leiden, sondern auch die, die überlebt haben.

Der zweite Teil des Buches beschäftet sich hauptsächlich mit Caelums Vergangenheit und seinen Vorfahren. Dieser Teil hat mir nicht so gut gefallen, er ist sehr langgezogen und, für mich, auch teilweise langweilig. Wie das Leben von Maureen und Caelum weitergeht wird nur noch nebenbei erwähnt. Schade, dass die Geschichte so abfällt. Daher bekommt dieses Buch nur 4 Sterne von mir. Aber gerade wegen des ersten Teils kann ich "Die Stunde, in der ich zu glauben begann" nur weiter empfehlen.

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