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Marionetten
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Rezensionen (6)
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22.09.2009 16:29
Inhalt:
Ein junger Mann russisch tschetschenischer Abstammung taucht auf illegalem Weg in Hamburg auf. Er spricht kein Deutsch und hat außer einem Brief, einigen Zeitungsausschnitten, einem kleinen Schlüssel und amerikanischen Dollars nichts bei sich. Zunächst wird er von einer türkischen Familie versteckt, bis er Kontakt zur jungen Anwältin Annabel Richter bekommt, die sich auf Asylrecht spezialisiert hat und russisch spricht.
Der junge Mann, von dem nun bekannt ist, dass sein Name Issa Karpow lautet, hat Informationen über ein Konto bei einer Privatbank bei sich. Die Bank befindet sich seit vielen Generationen im Besitz der Familie Brue und der aktuelle Bankdirektor Tommy Brue wird schon bald von Annabel in die Geschichte eingeweiht. Doch was hat es wirklich mit diesem geheimnisvollen Konto auf sich und was will der Verfassungsschutz von Issa?Meine Meinung:
"Marionetten" von John Le Carrè hat mir sehr gut gefallen. Schauplatz ist die Stadt Hamburg im Jahr 2008. Zu Anfang dachte ich, dass es sich um den üblichen Thriller rund um 9/11 handelt und hier mal wieder die Gefahr geschürt werden soll, die von islamischen Attentätern ausgeht. Dem ist jedoch absolut nicht so!
Ganz im Gegenteil zeigt uns John Le Carrè hier, welche Gefahr die Rechtfertigung von Aktionen mit dem Argument des "Heimatschutzes" oder der "Terrorverhinderung" birgt. Sollte die Vorgehensweise der deutschen Behörden wie dem Verfassungsschutz auch nur zum Teil der Wahrheit entsprechen, so finde ich das sehr bedenklich. Bisher war ich noch von der wagen Hoffnung ausgegangen, dass eine aggressive Vorgehensweise, wie sie hier beschrieben ist und wie sie eher der Manier amerikanischer Geheimdienste entspricht, in unserem Land noch keinen Einzug gefunden hat.
"Marionetten" ist erschreckend realistisch und spannend bis zur letzten Minute. John Le Carrè zieht an den richtigen Fäden und auch seine Figuren sind eigentlich nur Puppen im großen Spiel. Auch wenn es sich hier um eine Übersetzung aus dem englischen handelt, merkt man, dass der Autor sehr vertraut mit Deutschland, der deutschen Kultur und Mentalität ist. Alles wirkt sehr stimmig und von den Figuren bis zu den Schauplätzen gut recherchiert und ausgearbeitet. Die beiden so gegensätzlichen Figuren des Privatbankiers und der Sozialanwältin sind mir sehr sympathisch und ich hätte auch nichts dagegen, wenn sie einmal in einem weiteren Buch von John Le Carrè erneut auftauchen.Fazit:
Erschütternd, realistisch, beängstigend.
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Geschrieben von villawiebke über Marionetten10.03.2009 11:45
Hamburg nach dem 11.09.2001. Issa, ein tschetschenischer Flüchtling, hält sich illegal in Deutschland auf und bittet eine ihm unbekannte türkische Familie um Hilfe. Melik, der Sohn der Familie, ist von der Bitte des Fremden völlig irritiert und versucht ihn abzuweisen. Seine Bemühungen sind nicht von Erfolg gekrönt, da seine Mutter Leyla Mitleid mit dem Schwerkranken hegt und so verstecken sie ihn gemeinsam in ihrer Wohnung. Was sie zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht ahnen können, der unbekannte Fremde ist kein unbeschriebenes Blatt mehr.
Im Verlaufe des Geschehens übernimmt die Anwältin Annabel Richter, die für eine Hamburger Hilfsorganisation tätig ist, die rechtliche Unterstützung für Issa. Von Zweifeln geplagt, versucht sie bei Issa alles richtig zu machen. Denn schon einmal hat sie einen Mandanten verloren, der trotz ihrer Unterstützung abgeschoben wurde. Voller Engagement hängt sie sich in die Sache rein, bis auch sie zur Zielperson des Verfassungsschutzes wird und mit ihnen zusammenzuarbeiten muss.
Weitere Hilfe erfährt Issa durch den Bankier Tommy Brue, der nach anfänglicher Skepsis Issa seine volle Unterstützung gewährt. Als Besitzer einer Privatbank verwaltet er das Erbe des Flüchtlings, schmutziges Geld aus Russland, angelegt vor Jahren noch von seinem Vater auf einem so genannten Lippizanerkonto. Sein Interesse an Issa besteht vorrangig darin, sich der Altlasten seines Vaters zu entledigen und die Bank von ihnen zu säubern.
All diese Geschehnisse werden zunächst unbemerkt, später aber offensichtlich, von verschiedensten Organisationen, ob nun Verfassungsschutz oder Geheimdienste überwacht und als diese ihre Chance wittern, über Issa an einen noch größeren Fisch heranzukommen, schlagen diese erbarmungslos zu. Alle Skrupel werden dabei über den Haufen geworfen und zurück bleiben letztendlich nur die Opfer. Und Opfer sind sie alle in diesem Spiel.
Der Autor John le Carre, selbst ein Ex-Agent des britischen Geheimdienstes profitiert von seinem Wissen und den Erfahrungen in dieser Branche, die er gezielt in seinen Romanen einsetzt. Sprachlich recht anspruchsvoll unter Bezugnahme einzelner, sehr relitätsnah umgesetzter Charaktere versteht er es, den Leser stellenweise gut zu fesseln. Leider stolpert dieser aber immer wieder über langatmige Passagen oder Protagonisten, denen es einfach am nötigen Tiefgang fehlt und die dadurch zunehmend blass erscheinen.
Das Thema des Buches ist sehr aktuell gewählt. Die Auseinandersetzung mit moralischen Grundsätzen unserer heutigen Zeit wird aus verschiedenen Positionen heraus verarbeitet, so dass der Leser während des Lesens gezwungen ist, des Öfteren nachdenklich einzuhalten. Alles in allem, ein gut gewählter Stoff. Und trotzdem konnte mich dieser Roman insgesamt nicht so richtig überzeugen. Es bleibt das Gefühl, dass der Autor durch das Buch einen Weg gefunden hat, seine Wut und die Unfähigkeit, Dinge verändern zu können, verarbeitet. Man selbst als Leser bleibt aber ziemlich unzufrieden zurück.
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Geschrieben von Tista über Marionetten25.12.2008 14:53
Marionetten-Theater
Dieses ganze Buch ist das reinste Marionetten-Theater!
Alle Personen in diesem Buch sind Marionetten und werden bespielt und geführt durch weitere Marionetten - denn niemand ist frei in seinen Entscheidungen.
Issa - um den sich in diesem Roman alles rankt - der illegal nach Deutschland eingereist ist, gesegnet mit einem Reichtum versprechenden Erbe und dem Wunsch, Arzt zu werden - hat seinen großen und spektakulären Auftritt in den ersten Kapiteln - dann tritt seine Person etwas in den Hintergrund - Melik und seine Mutter Leyla, die sich auf den ersten Seiten um ihn kümmern, verschwinden ganz in der Versenkung und dafür übernehmen dann der Bankier Tommy Brue und die Rechtsanwältin Annabel Richter das Ruder - oder versuchen es zumindest - denn auch sie hängen an Fäden.
Es ist spannend zu lesen, wie die verschiedenen Geheimdienste sich in das Leben der Bevölkerung einmischen und dieses manipulieren können. Die Geheimdienste, die - je nachdem wie es für den Fall gewinnbringend ist - miteinander oder gegeneinander oder überhaupt nicht zusammen arbeiten. Wie sie Menschen umdrehen können, so dass diese glauben, jetzt aber das Richtige zu tun und wie sie Fährten legen können, die doch alle nur verwirren sollen.
Zwar ist der Autor an manchen Stellen etwas zu detailverliebt, aber natürlich lebt das Buch von den lebhaften Beschreibungen des Umfeldes, von den tiefen Gefühlen der Hauptpersonen zueinander und von den Sorgen, die alle schwer belasten. Annabel zeigt Gefühle für Issa und hat Angst um sein Leben, Brue zeigt Gefühle für Annabel und entdeckt seine Liebe für seine Tochter wieder.Das Buch hat nicht wirklich etwas mit dem 9.11. zu tun - zeigt aber, wie schwierig es ist, in Bezug auf Terrorismus die richtigen Entscheidungen zu treffen und den richtigen Riecher zu haben. Es ist flüssig geschrieben und das offene Ende lässt viel Raum für die eigene Phantasie...........
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Geschrieben von urlaubsbille über Marionetten09.12.2008 10:18
Schnell wird der Leser von einem Handlungsort zum anderen gejagt, dadurch wird kaum Spannung aufgebaut, endlich einmal erreichte Spannung wird durch rigorosen Wechsel des Schauplatzes sofort wieder im Keim erstickt. Die ständig wechselnden Perspektiven sind sehr verwirrend. Le Carré beschreibt die Personen sehr detailliert, was nicht zum leichteren Verständnis beiträgt, sondern die Handlungen noch zusätzlich undurchsichtig und schlecht nachvollziehbar macht.
Für mich ist es ein aktueller Politthriller, der gut recherchiert wurde, allerdings beim Lesen sehr zäh ist.
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Geschrieben von Keksigirl über Marionetten23.11.2008 14:57
Inhalt:
Issa, ein tschetschenischer Flüchtling und gesuchter Schwerverbrecher, bittet den türkischen Schwergewichtsboxer Melik und seine Mutter Leyla um Hilfe. Er möchte in Deutschland Medizin studieren, doch leider hält er sich seit seiner Flucht aus einem türkischen Gefängnis und seiner langen, durch Bestechungsgelder erkauften Reise über Schweden und Dänemark, illegal in Deutschland auf. Außerdem steht er auf der Fahnungdungsliste von Interpol. Hin- und hergerissen zwischen Mitleid und Misstrauen beschließen die beiden ihm zu helfen. So geraten sie, eine Anwältin und ein Bankier bald ins Visier der Geheimdienste, die auch vor Lügen, Betrug und falschen Versprechungen nicht zurückschrecken, um ihre Ziele durchzusetzen...Zum Autor:
John le Carré, geboren 1931 in Poole, Dorset, studierte in Bern und Oxford Germanistik, bevor er in diplomatischen Diensten u. a. in Bonn und Hamburg tätig war. "Der Spion, der aus der Kälte kam" begründete seinen Weltruhm als Bestsellerautor. Der Autor lebt mit seiner Frau in Cornwall und London.Meine Meinung:
Wer einen Thriller um den 11.September erwartet hat wird wohl enttäuscht werden, denn ein direkter Bezug zum diesem Datum fehlt fast völlig. Es geht mehr um die Auswirkungen des Terrorismus, darum wie schlecht und misstrauisch mit Ausländern seit diesem Terrorakt umgegangen wird und wie gut es Geheimdienste verstehen, den Terrorismus für sich zu nutzen. Ein kleiner Bezug zu Amerika wird erst hergestellt, als der Leser schon nicht mehr damit rechnet.Das Buch gliedert sich in drei Handlungsstränge - nämlich Issa und seine Pläne, eine Bank mit Kontakten zu russischen Geldwäschern und die Ermittlungen uneiniger Geheimdienstmitarbeiter und Verfassungschützer. Schnell beginnen die einzelnen Bausteine miteinander zu verschmelzen, um dann am Ende ein überzeugendes Gesamtbauwerk zu erzeugen.
Geschildert wird das komplette Buch in der 3. Person. Durch die von Beginn an lebendige Erzählweise fühlt man sich gleich mitten im Geschehen und die immer neu auftretenden Fragezeichen lassen einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Die Sprache ist ansprechend, aber auch dem ernsten Thema angepasst. Trotz eines etwas anspruchvolleren Tons ist das Thema verständlich und einfühlsam übertragen worden. John le Carrè gelingt es auch den Charakter der Protagonisten durch die Wahl von stimmigen Adjektiven zu übermitteln.
Auffällig ist auch, dass der Autor teils sehr lange Sätze benützt und das Buch in der alten Rechtschreibung gedruckt wurde.Die Figuren sind abwechslungsreich, sowohl was das Erscheinungsbild, als auch die zu gehörigen Charaktere betrifft. Allein Melik und Issa sind schon grundverschieden, Melik ist stark und kräftig, hat einen gefestigten Charakter und weiß was er will, während sich Issas Naivität auch in seinem schwachen, ausgemergeltem Äußeren widerspiegelt.
Schade ist nur, dass der Autor einige Protagonisten gleich nachdem sie nicht mehr gebraucht wurden, in den Hintergrund gedrängt hat.Fazit:
Der Titel ist bestens gewählt, denn hier sind wirklich fast alle Protagonisten Marionetten und selbst diejenigen, die erst geglaubt haben die Fäden zu ziehen müssen am Ende erkennen, das sie selbst nur ein lebendiges Werkzeug der wahren Marionettenspieler waren.
Dem Autor ist es überzeugend gelungen ein eigentlich abgedroschenes Thema, nämlich den Terrorismus und die Reaktionen der Geheimdienste darauf, spannend, fesselnd und erschreckend plausibel darzustellen. Die vielen politischen und religiösen Hintergrundinformationen verhelfen dem Roman zu einer großen Glaubwürdigkeit und lassen ein solches Szenario durchaus realistisch erscheinen.
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06.11.2008 18:38
Eines steht fest: John Le Carre ist ein guter Autor. Zwar habe ich nicht sehr viele Bücher von ihm gelesen, aber die, die ich kenne waren gut.
Mit "Marionetten" hingegen konnte ich mich nicht unebdingt anfreunden. Die Dialoge weisen über das ganze Buch verteilt einige Längen auf. Und dennoch weiß man über zum Beispiel über Issa am Ende des Buches nicht viel mehr als am Anfang. Schade auch, dass einige der Charaktere ein wenig ins Abseits geraten, als sie nicht unbedingt mehr gebraucht wurden.
Und das Ende verdient seinen Namen auch nicht wirklich. Letztlich bleibt mir nur zu sagen, dass die Geschichte nicht wirklich vorangekommen ist, was Handlung und Tempo angeht und die Protagonisten bleiben in ihren Handlungen zu undurchsichtig.
Ein gutes Buch, wenn auch nicht gerade Le Carres Bestes.




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