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Der Vermesser: Roman
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Beschreibung
Ja, keine Frage, das Buch erinnert an Patrick Süskinds Das Parfum, ganz ähnlich hier die Eindringlichkeit, die Plastizität der Geschehnisse, die stark sinnlichen Beschreibungen, das alles geht heftig an Niere und Nase gleichermaßen, ist schauerlich und gruselig, düster und eines noch: wahnsinnig spannend!
William May, Ingenieur und Vermesser, ist aus dem Krim-Krieg zurückgekehrt nach London, der Krieg hat ihm seelisch zugesetzt, immer öfter sucht er aus innerer Verzweiflung und der Sucht zur Selbstverstümmelung die unterirdischen, von Ratten bewohnten Kanäle auf. "...hier unten in der völligen Dunkelheit..., wo er knietief in den Ausscheidungen der größten Stadt auf Erden stand, fand Williams seine Freiheit." May erhält einen guten Job, wird mit verantwortlich für ein Mammut-Projekt der Stadt, es soll ein modernes Abwassersystem entstehen. Eine junge Familie hat er, allmählich lassen auch die Kriegsfolgen nach. Aber dann: Intrigen reißen alte Wunden wieder auf, treiben May an den Rand der Verzweiflung. Erneut flüchtet er, geistig verwirrt in die dunklen Kanäle. Hier geschieht ein bestialischer Mord und alle Spuren weisen auf ihn.
Neben der Geschichte, in die man wie unter Zwang seine Nase schnell und tief hineinsteckt, bietet der Roman auch höchst anschauliche Bilder des desolaten London zu jenen Tagen: immer wieder wütet die Cholera, Armut und Bitterkeit beherrschen den Alltag, "Und über allem lag der üble Fäkaliengestank des Flusses... Er schlüpfte durch alle Hemdfasern und drang durch die Poren der Haut." Ein historischer Roman, der schaurige Visionen und gespenstische Bilder im Kopf gleich mit liefert!
Die Ereignisse seien authentisch und einige der Personen hätten wirklich existiert, schreibt die studierte Historikerin Clare Clark, gebürtige Londonerin. Nicht nur also eine beeindruckende und offenbar leidenschaftliche Recherche in den Annalen der heutigen Weltstadt, sondern auch von Umsetzung, Sprache, Aufbau und einem ausgeprägten Gespür für Spannung und Dramatik her ein ausgefallenes und bemerkenswertes Erstlingswerk! --Barbara Wegmann
Rezensionen (1)
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21.03.2007 10:44
Der Kommentar von B. Wegmann (amazon.de) trifft den Inhalt der Romanhandlung im Wesentlichen, deshalb will ich hier nicht genauer darauf eingehen, als notwendig. Der Handlungsort ist London, u.a. das marode Kanalsystem der Stadt, und folgt man Wegemann sowie dem Klappentext des Romans, so erwartet man auf jeden Fall einen spannenden Krimi im Stil von Süskinds "Parfum" - leider eine Fehlannahme. Der angekündigte "bestialische Mord" ereignet sich erst nach ca. 160 Seiten - etwas mehr als 1/3 des Romans hat man zu diesem Zeitpunkt bereits gelesen.
Auch der Vergleich mit Süskind erscheint eher weit hergeholt: Die unangenehmen Gerüche Londons werden sehr eindringlich geschildert, damit endet der Vergleich. Stattdessen entfaltet sich vor dem Hintergrund historischer Ereignisse des Sommers 1858, bekannt geworden als "Der Große Gestank", eine Intrige, die sich im Wesentlichen um einen seelisch labilen Kriegsheimkehrer herum entspinnt. Anstelle eines Krimis erwartet den Leser das eindringlich geschildertes Psychogramm einer vom Krieg gezeichneten Existenz ausgebreitet vor detailiert ausgearbeiteten historischen Begebenheiten.
Erwartet man keinen ausufernden Krimi, dann wird man sicher Gefallen an "The Great Stink" finden. Die Hauptfiguren sind wirklich gut ausgearbeitet und die Schilderungen der Handlung liefern ein atmosphärisches Abbild des Londons jener Tage. Leider wird nur sehr schwer Spannung aufgebaut. Durch die ersten 150 Seiten musste ich mich regelrecht durchquälen. Spannender wurde es, nachdem die Intrige um William May, den Vermesser, langsam in den Handlungsmittelpunkt rückt, aber auch dann bleibt die Entwicklung der Ereignisse für meinen Geschmack zu vorhersehbar, obwohl am Ende zumindest ein paar hauchzarte Zweifel zurückbleiben - immerhin.
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